Lokomobile - mit Volldampf im Strassenverkehr


Wer in der heisslaufenden Diskussion spitzfindig nach den Alternativen zum Elektroauto fragt, will meist garnicht wissen, was noch alles möglich ist, denn es geht ihnen nur darum, die Kritik mundtot zu machen. Hier mal eine der Alternativen.

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Dampfantrieb ist wahrscheinlich seit Jahrtausenden bekannt, aber erst seit James Watt wurde damit auch schneller Schienenverkehr möglich. Ende des 19. Jhs. spielte Dampf auch im Strassenverkehr eine gewisse Rolle. Autos mit Dampfantrieb nennt man Lokomobile. Die Technik unterscheidet sich dabei aber stark von der einer schweren Dampflok. Lokomobile existierten ein paar Jahrzehnte zusammen mit den aufkommenden Verbrennungsmotoren, die sie einholten und obsolet machten. Während man bei Ford Großserie produzierte, waren Dampfautos teuer produzierte Einzelstücke, die sich nur supereiche, wie Howard Hughes, leisten konnten.

Der Doble E 20 stellt dabei die Spitze der Entwicklung dar, kurz, bevor sie in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Unter der Haube war ein Dampferzeuger eingebaut, der so ähnlich funktioniert, wie der Brenner einer Zentralheizung. Es wurde überhitzter Dampf erzeugt, der auf ein mehrstufiges Kolbensystem direkt an den Hinterrädern geleitet wurde. Es gab kein Getriebe, dafür ein bulliges Drehmoment und ein geräuschfreies Fahrvergnügen. Ein Doble Dampfauto erfüllt auch noch heute alle Abgasnormen und das ohne komplexe Gemischbildung und Katalysatoren. Die Fahrzeugsammlung von Jay Lenno sollte bekannt sein. Er hat fast alle dieser Wagen in seiner Sammlung. Sie werden restauriert und leicht modernisiert, sodass man sie im heutigen Strassenverkehr fahren kann und "street legal" sind. Der Doble E 20 bringt 2,5 Tonnen auf die Waage und wurde inzwischen auch mit Scheibenbremsen an der Vorderachse nachgerüstet, wo ursprünglich nur die Hinterachse gebremst war.

Siebzig Jahre später gab es nochmal einen Dampfmotor von IAV (Ingenieurbüro der VAG). Alles ist so kompakt, das Motor und Dampferzeuger unter jede Motorhaube passen würden. Teile des Motors wären heute aus Kunststoff, der Brenner sollte in keramischer Porentechnik ausgeführt werden. Man hätte dank der gleichmässigen Verbrennung ohne Flammfronten wieder die günstigen Abgaswerte eines Doble Steamers. Auch an der Tankstelle wäre man nicht unbedingt auf einen speziellen "Raketensprit" festgelegt. Diesel, Alkohol, Flüssiggas-alles wäre möglich.

Besagter Doble Dampfmotor wurde 1933 auch in einen Doppeldecker vom Typ Travelair 2000 verbaut und konnte im Flug vorgeführt werden. Auch als Flugantrieb fiel die Geräuscharmut des Dampfantriebs auf. Es ist überliefert, dass die Erfahrungen im Bau der Dampferzeuger immerhin in die spätere Entwicklung von Brennkammern für Jets einflossen.

Steam Plane

Im angloamerikanischen Bereich ist das Thema immer noch sehr populär und es gibt sogar Versuche, professionelle Produkte auf den Markt zu bringen. Konvertierte PKW mit Dampfantrieb sind nicht so selten. Meist wird der vorhandene Benzinmotor umgebaut. Solche Konstruktionen spielen auch in dem dystopischen Spielfilm "Die Klapperschlange" mit Kurt Russel eine Rolle.

In England fahren noch viele Sentinel Dampf-LKW. Deren Technik ist deutlich gröber, als die eines Doble, der einen hohen Automatisierungsgrad erreicht hatte und schon fast per Knopfdruck gestartet werden konnte. Immerhin hat in England viel Dampftechnik überlebt und wird mühsam am Leben gehalten. Die Great Dorset Steam fair dürfte recht bekannt sein. Da fahren viele Dampftraktoren und Dampf LKW.

Wenn Die Dampfkessel englischer Lokomotiven, wie der Malet, überholt werden müssen, bringt man die aber nach Deutschland, da es die erforderlichen Kenntnisse und Anlagen nur in Mitteldeutschland gibt, da vor der Wende noch lange Dampfloks von der Reichsbahn betrieben wurden. Von einer ähnlich, enthusiastischen Dampfszene ist mir hierzulande leider nichts bekannt. Die meisten Aktivitäten beschränken sich auf Tischmodelle, oder Garteneisenbahnen.

Eine industriell wirkende Konstruktion wird von der US Firma Cyclone Power vermarktet. Das scheint dem Doble System sehr ähnlich zu sein.

http://cyclonepower.com/

Und immer wieder Kalifornien mit seinem Hü-hott bei den Abgasnormen. Auch für diesen Markt wurden Dampfautos entwickelt, aber dann auch wieder gestoppt. Da gab es den Dutcher Steam und den Chrysler LeBaron Turbine. Wenn der es in die Verkaufsräume geschafft hätte, wäre das ein ziemlich cooles Auto gewesen.

Nicht, dass man jemals etwas davon gehört hätte. Man muss schon danach suchen. Produktion gestoppt, wegen der üblichen Scheinargumente und mangelhafter Finanzierung.

Mir ist aus dem Gedächtnis auch die Geschichte eines deutschen KFZ Meisters bekannt, der einen 1600er Golf Motor zu einem Dampfmotor umgebaut hat. Er hat ihn aber nicht komplett umgebaut, sondern nur so, dass einer der vier Zylinder als ORC (Organic Rankine Cycle) lief, um die Abwärme der drei restlichen Zylinder zu nutzen und damit den Wirkungsgrad zu erhöhen. Er hat auch kein Wasser als Arbeitsmittel, sondern niedrig siedende Kühlschrankflüssigkeit benutzt, die dazu auch im Kreis gepumpt wurde. Wenn ich mich nicht daran erinnern könnte, dass der Bericht mal in einer Magazinsendung zu sehen war, könnte man bei Google keinen Beleg mehr dafür auffinden.

Allein die Erhöhung des Wirkungsgrads wäre schon interessant. Die von einem Benzinmotor ist bekannt schlecht. Der Diesel ist zwar etwas besser, aber auch nicht sehr viel. Wir hängen vor allem an den mineralischen Treibstoffen aus Arabien. Nur damit lässt sich das meist viertaktende Schnauferl ideal betreiben. Ich habe mal einen PKW auf Autogas umrüsten lassen. Ich war trotz aller Probleme durch die Bastelei trotzdem positiv überrascht. Ein external Combustion Engine wäre nicht auf einen Treibstoff festgelegt, aber die Druckgasvariante hat mir sehr gefallen. Flüssiggas könnte man leicht künstlich herstellen. Eine doppelt wirkende Kolbendampfmaschine hat keine Leertakte und leistet mit jedem Hub Arbeit. Bei einer Dampfturbine fällt sogar die Massenabbremsung weg.

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