Regentage (Gedicht 2020)


Lyrik, Poesie, Gedicht, Regentag in Nürnberg

.

Regentage (2020)

 

Draußen hängt der Nebel in den regennassen Bäumen.

Sträucher, Straßen, Häuser, Himmel - alles grau verwaschen.

Der Regen findet seinen Weg und rinnt aus meinen Taschen.

Ich versuch ihm zu entgehen, er ertappt mich beim Träumen.

 

Regenschirme öffnen sich wie bunte Blüten,

Widersetzen sich dem trostlos grauen Abgesang.

Alten Herren rinnt das Wasser von den Hüten,

Frauen huschen an den Häuserwänden entlang.

 

Die Wege sind schon kleine Flüsse.

Sogar die Krähen bleiben stumm.

Kinder haben vom Spielen nasse Füße

Und mich quält die Erinnerung.

 

Vor mir erscheint verwaschen dein Gesicht.

In der Tram riecht es nach nassen Haaren,

Ich setze mich und schreibe ein Gedicht.

 

An der Prinzregentenpromenade

Bleiben sogar die Ratten in den Ritzen.

Ich trinke eine heiße Schokolade

Und bleibe eine Weile sitzen.

 

Die Kleidung klebt mir auf der nassen Haut,

Wasser in den Schuhen, meine Socken vollgesaugt.

Mit dem Liter pro Meter im Quadrat,

Steigt zugleich der emotionale Niederschlag.

 

Schmerzhafte Erinnerungen tauchen auf

Und ertrinken alsbald wieder.

Wie schnell oder langsam ich auch lauf,

Meine Seele trällert alte Lieder.

 

Ich lasse den Regen in Gänze mich durchdringen,

Spüre den kalten Schmerz durch Mark und Bein.

Geduldig, meine Seele wird das Ich auswringen.

So warte ich auf den Sonnenschein.

 

 

Kommentare