Das Raumfahrtzeitalter

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Am Vorabend der Digitalisierung. Ein Überblick über fünf Jahrzehnte.

Ich bin lange vor 1990 geboren. 1970 war ich fünf. Ich erinnere mich an eine Erziehung, die noch Elemente der 1000 Jahre enthielt. Ich hatte eine Lederhose mit röhrendem Hirsch auf dem Latz. Ich war auch bis an die Zähne bewaffnet. Der nationalsozialistische Pimpf geht natürlich nicht ohne Messer vor die Tür. Zuerst war das ein harmloser Zahnstocher, aber später war das schon ein solides Stück Stahl, mit dem man schon jemanden hätte verletzen können. Eine Klingenlänge, die heute verboten wäre. Ich erinnere mich nicht daran, dass es zu Übergriffen gekommen wäre. Wir haben nur Hölzchen geschnitzt. Es wurde zum Glück nicht schlimmer, denn Schlaghosen und Platauschuhe verhinderten eine weitere Karriere in der HJ. Spätestens seit der Dramaserie Holocaust war auch allen Kindern klar, dass HJ nur für böse Leute ist.

1973 kam Raumschiff Enterprise ins Fernsehen. Ich fand das viel faszinierender, als Sportschau, die leider gleichzeitig lief, aber in der Familie gab es nur einen Fernseher. Ich habe es daher nicht so oft gesehen, wie ich es gern sehen wollte. Das Fahrtenmesser wurde zwischenzeitlich durch das Bonanzarad ersetzt. Das war ein durchaus technisch, anspruchsvolles Tretmobil. Es erinnerte total an den Opel Manta und war genau so halbstark. Farben und Ausstattung variierten etwas, aber alle Nachbarsjungs hatten das Gleiche. Den berühmten Fuchsschwanz hatte hier aber keiner. Den haben hier alle doof gefunden.

Es hat noch einige Zeit gedauert, bis ich einen eigenen Fernseher bekam. Das war eine SW Röhre im Postkartenformat, die in ein Kombigerät mit Radio und Cassettenteil eingebaut war. Das hat immerhin über zehn Jahre gehalten. Ich habe den sogar noch bei der Bundeswehr benutzt, um nach Zapfenstreich unter der Decke weiterglotzen zu können. Die Digitalisierung fand zaghaft, aber unaufhaltsam schon Anfang der 1970er statt. Ein Onkel hatte einen Taschenrechner, der am Netz angeschlossen werden musste und mit dem man das erste Mal auch "ESEL" in die Siebensegment Anzeige tippen konnte.

Mitte der 1970er hatte ich aber schon ein Telespiel. Das Smartphone war zwar noch weit, aber die Lehrer waren durch diverse Klingeltöne aus unseren Digitaluhren ab Anfang der 1980er immer informiert, welche Stunde geschlagen hatte. Ab der Zeit kamen dann auch die ersten Homecomputer auf. Es wurde schon eifrig gezockt, selbst wenn das Laden von Spielen mit Datasette viele Stunden gedauert hat.

Bei der Bundeswehr 1989 wurde zwar auch Billiard gespielt, aber wenn uns "der Russe" angegriffen hätte, wären wir wahrscheinlich nicht aus der Stube gekommen, weil wir uns in den Spiralkabeln von Tastaturen, Mäusen, Gamecontrollern und Monitoren verheddert und erwürgt hätten. Vielleicht hätten wir die russichen Kameraden auch zu einer Runde Zocken eingeladen. Der Russe kam tatsächlich, aber es war nur einer. Der machte eine launige Rheintour mit Birne Kohl. Den gleichzeitig ausgerufen NATO Alarm wollte schon keiner mehr ernst nehmen. Er wurde dann noch vor dem Mittagessen wieder zurückgenommen.

Einen Homecomputer hatte ich nie, aber 1993 habe ich den ersten PC gekauft. Er fand zumindest teilweise frühe Verwendung beim Zusammenschneiden von Musik und ich hatte auch schon eine TV Karte. Inzwischen ist die Ära der altarartigen Tischinstallationen eigentlich vorbei. Das Notebook ist am Arbeitsplatz und im Wohnzimmer inzwischen fast der Normalfall. Mein TV Gerät ist bewusst nicht Smart, aber es gibt Apple TV. Auch dort ist Alexa deaktiviert. Ich geniesse die Segnungen der Technik, aber ich bin weder Smombie, noch Gamer. Mich hat da nur wenig interessiert.

Das Thema Flugsimulator hat mich mal sehr gereizt und das führte schliesslich dazu, dass ich selber Flugstunden nahm. Es gibt durchaus Unterschiede zwischen Fliegen im Saal und Fliegen in Echt. In der Pilotenausbildung spielt das Fliegen im Saal aber durchaus auch für den Hobbypiloten eine gewisse Rolle. Teure Motorlaufzeit bei der Funknavigation wird im eher preisgünstigen Verfahrenstrainer vermieden. Ich hätte es gern professionalisiert, aber dazu ist es nicht gekommen. Die Rahmenbedingen sind hart und inzwischen musste ich auch aufgeben. Ich bin aber froh darüber, diesen Weg gegangen zu sein. Man bekommt dabei Eindrücke, die man sonst nicht erlebt.

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